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Krimizeit Pforzheim
Leseprobe aus:
>Krimizeit Pforzheim<
Tod im Rathaus
von Claudia Konrad
Die Handlung und die handelnden Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit toten oder lebenden Personen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ist nicht beabsichtigt und wäre rein zufällig. Dem Leser seien etwaige, entdeckte Parallelen freigestellt.
Peter Wellendorf-Renz, 58 Jahre, große stattliche Figur, schwarzes volles Haar, seines Zeichens Kriminalhauptkommissar a.D. Vor zwei Jahren starb seine geliebte Frau bei einem Autounfall auf der A8 bei Heimsheim. Ein ganzes Jahr benötigte er, um sich wieder zu fangen und sein Leben neu zu sortieren. Jetzt, wo alles wieder im Lot war, er die höchste Aufklärungsrate hatte, wurde er in den Vorruhestand geschickt. Nicht, weil er seiner Arbeit nicht mehr gerecht wurde, sondern vielmehr, weil ihn seine Arthrose in den Füßen regelrecht auffraß.
Mit seinem Nachfolger, Ingmar Keller – von Karlsruhe nach Pforzheim versetzt – steht er auf Kriegsfuß. Monsieur Keller, wie ihn Wellendorf-Renz zu nennen pflegt, kann es nicht ausstehen, wenn er seine alten Kollegen besuchen kommt. Mit Holger Kuhlmann hat er ein besonders herzliches Verhältnis, schließlich waren die beiden seit zehn Jahren Zusammenarbeit das „Dream Team“ der Wache. Keller schnauzt Kuhlmann oft an und lässt ihn die Drecksarbeit machen, so ist es nur verständlich, dass Kuhlmann sich oft bei Wellendorf-Renz auslässt. Natürlich wird bei dieser Gelegenheit auch über „Fälle“ diskutiert, wobei Wellendorf-Renz so zu manch einer Lösung beigetragen hat. Nicht auszudenken, wenn Keller davon Wind bekäme!
Monsieur Keller gab eindeutig zu verstehen, dass Wellendorf-Renz sich aus Ermittlungen raus zu halten hat. Einmal tobte er wie ein Wilder durch sein Büro, dass er nach Luft jabste und per Notarzt ins Städtische Klinikum gebracht werden musste. Seither ist es noch ruhiger in Wellendorf-Renz seinem Pensionärsleben geworden. Um seiner Langeweile Herr zu werden, holte er sich vor zwei Wochen einen vier- jährigen Mischlingshund aus dem Pforzheimer Tierheim. Das kleine Biest hatte mehr Temperament, als ihm lieb war. Musste er doch bei Wind und Wetter raus, ohne Rücksicht auf die schmerzhafte Arthrose!
Er taufte den Hund „Trollinger“, allein aus der Kriterie heraus, dass er gerne Lemberger trank. Lemberger-Trollinger: eine echt gute Kombination.
Nach dem morgendlichem „Gassi gehen“ gönnte sich Wellendorf-Renz ein ausgiebiges Frühstück, mit stundenlangen Tageszeitung studieren. Was die PZ nicht weiß, weiß der Pforzheimer Kurier und so hat er gleich beide, hier ansässigen Tageszeitungen im Abo.
Zurzeit verfolgte er aufmerksam den Oberbürgermeister – Wahlkampf zwischen Frau Nasenkiesel, der amtierenden OB und Herrn Dürr, dem Kandidaten. Ein „Chefsesselwechsel“ ist seiner Meinung nach dringend erforderlich. Zuviel geht in seinem geliebten Pforzheim schief.
Samstag 04:30 Uhr
Das Telefon klingelt mit dem Handy um die Wette, dazu bellt Trollinger in den höchsten Tönen. Wellendorf-Renz schält sich mühselig aus seinem Bett und torkelt ans Telefon. „Ja“. „Sag mal, hast du Schlaftabletten genommen? Seit zehn Minuten bimmel ich bei dir an“. „Normale Menschen schlafen um diese Uhrzeit, was ist los“?
„Ein Toter im Rathaus, ich schick dir eine Streife, die dich abholt“.
„Was ist mit Keller“? „Krank, Bein gebrochen - bis gleich“.
Wellendorf-Renz begab sich im Eiltempo ins Bad, schnell die Zähne putzen, eine Ladung Wasser ins Gesicht, da schien schon das Blaulicht durch die Jalousien. „Herr Ha-Hauptkommissar“, stotterte der Polizist. „Schon gut, fahren sie, aber nicht so schnell, mein Magen“.
Die Streife hielt direkt am Haupteingang des „Alten Rathauses“ auf dem umstrittenen Belag.
Wellendorf-Renz betrat das Gebäude. „Kuhlmann“, rief er. „Hier oben, komm eins höher“, kam die prompte Antwort. Trollinger rannte schon mal los, um Kuhlmann freudig zu begrüßen. „Musst du denn den Köter überall mit hin nehmen“, maulte dieser los.
„Erstens ist das kein Köter, sondern fast ein Polizeihund und zweitens kann ich gleich wieder gehen, wenn dir was nicht passt“, knurrte Wellendorf-Renz, schnaufend vom Treppensteigen, zurück. „Ja ja, schon gut“.
„Was ist hier eigentlich los? Was ist das alles für ein Kram?“
„Hier soll heute Vormittag eine Vernissage für einen Wohltätigkeitszweck eröffnet werden, darum die Wände, Tische und Stühle“, erklärte Kuhlmann. Wellendorf-Renz schaute sich um und ging ein Stück in Richtung Fenster zum Marktplatz, als er den männlichen Toten zusammengesunken auf einem Stuhl, den Kopf auf dem Tisch liegend, entdeckte. Er trat näher heran und sah in die weit aufgerissenen Augen. Auf dem Tisch stand eine geöffnete Flasche Rotwein. Die rechte Hand des Toten hielt ein umgekipptes Weinglas in der Hand, der Tisch und das Jackett waren besudelt mit Erbrochenem.
Wellendorf-Renz beugte sich hinunter um das Etikett zu lesen. „2006er Heilbronner Samtrot Kabinett“, las er laut vor, und weiter: „Hm, leckeres Tröpfchen - eigentlich. Aber sag mal, ist das nicht Dürr, der Ob-Kandidat?“
„Ja, ist er“, gab Kuhlmann knapp von sich. „Die Kollegen von der Gerichtsmedizin müssen jeden Moment auftauchen“.
„Was zum Henker wollte der um diese Uhrzeit hier?“, murmelte Wellendorf-Renz mehr zu sich selbst, als an Kuhlmann gerichtet.
Plötzlich bellte und knurrte Trollinger wie ein verrückter und rannte den angrenzenden Gang entlang. „Trollinger! Trollinger, hierher!“, schrie Wellendorf-Renz, allerdings ohne Erfolg.
Das Bellen wurde intensiver und aggressiver. Die Beamten sputeten hinterher, bis sie den faden Lichtschein einer Lampe wahr nahmen.
Trollinger knurrte inzwischen wie ein mächtiger Kampfhund.
Kuhlmann zog seine Waffe, warf Wellendorf-Renz einen Blick zu, und schlich an der Wand entlang, Wellendorf-Renz knapp dahinter.
„HILFE, nimmt doch endlich einer diesen Köter weg!“, schrie eine männliche Stimme aus dem Büro der Oberbürgermeisterin Christina Nasenkiesel.
Kuhlmann betrat als erster das Zimmer. Der Anblick ließ ihn glatt schmunzeln. Auf dem Bürostuhl stand wackelig Heinz-Werner Malke, seines Zeichens Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender und davor, oder besser darunter, der kläffende und knurrende Trollinger. „So nehmen sie doch endlich diesen Hund weg“, flehte Malke.
„Was machen sie hier?“, wollte Kuhlmann wissen. „Ich äh…“.
„Trollinger AUS, jetzt hierher“, zischte Wellendorf-Renz, diesmal mit Erfolg, aber nicht ohne breitem Grinsen im Gesicht.
„Also, was machen sie hier?“ „Ich – na ja“, stammelte Malke und kletterte dabei vom Bürostuhl. „Ich wollte der Oberbürgermeisterin eine Freude machen und ihr Blumen auf den Schreibtisch stellen.“
„Was? Und das ausgerechnet morgens, um mittlerweile 05:20 Uhr?“, mischte sich Wellendorf-Renz ein.
„Sie sollte nicht wissen von wem die Blumen sind“, sagte Malke sehr geknickt. „Und wo bitte ist dieser ominöse Blumenstrauß?“. Malke deutete auf die Ecke hinter der Tür.“
Ich bin so vor dem Hund erschrocken, dass ich ihn fallen ließ, um mich auf den Stuhl zu retten“. Kuhlmann lachte lauthals los.
„Entschuldigung, das soll ich glauben?“. „Welchen Eingang haben sie denn benutzt, Herr Malke?“, fragte Kuhlmann weiter.
„Den hinten vom Parkplatz, mein Auto steht dort, aber warum fragen sie – und warum sind sie hier?“ Unbeirrt fragt Kuhlmann weiter: „Wie lange sind sie hier?“ „Vielleicht fünfzehn Minuten.“ „Und sie haben nichts gehört, oder jemanden gesehen?“ „Äh – ich – nein – jedenfalls nicht so lange, bis der Hund angeflitzt kam“.
„Herr Kommissar, die Gerichtsmedizin ist da“, schallte es durch den Flur. Malke riss die Augen weit auf: „Gerichtsmedizin? Meine Herren, kann mir jemand sagen, was hier los ist?“ „Später, stellen sie die Blumen in die Vase, und kommen sie mit“, gab Kuhlmann knapp zurück.
„Herr Kommissar!“. „Ja, bin gleich da“. Hektisch pfriemelte Malke den Strauß in die Vase, löschte das Licht und zog die Türe hinter sich zu.
Im Schnellschritt trottete er den beiden Beamten hinterher, ihm war schlecht vor Aufregung – war kurz davor sich zu übergeben. „Geht’s ihnen nicht gut?“, fragte Wellendorf-Renz mit forschendem Blick. „Geht schon“, log er. Im Treppenhaus angekommen, wuselten die Spurensicherung und die Gerichtsmedizin schon fleißig umher. „Moin die Herren, kann man schon was sagen?“
„Keine äußerlichen Einwirkungen zu sehen. Die weit aufgerissenen Augen und das Erbrochene deuten auf Ersticken hin. Todeszeit – nicht länger als zwei Stunden, die Leichenstarre ist noch nicht eingetreten“, kam die sofortige Antwort von Gerichtsmediziner Hugo Wert.
„Ich muss aufs Klo“, stammelte Malke. Kreidebleich war er inzwischen. Kuhlmann deutete einem Beamten an, ihn zu begleiten.
„Wert, es ist scheiß eilig. Bitte machen sie sich gleich an die Arbeit“, rief Kuhlmann dem Gerichtsmediziner zu. „Und wer zahlt mir die Überstunden, hä? Sie wissen doch, dass man uns diese gestrichen hat!“, kam zurück.
„Okay, okay. Ein Riesenschnitzel in „D´alt Funsel“ geht auf mich“.
Hugo Wert grinste breit: „Überredet!“.
„Wie habt ihr von dem Toten erfahren?“, wendete Wellendorf-Renz sich an Kuhlmann.
„Ich habe angerufen“, kam es kleinlaut aus einer Ecke. Erst jetzt wurden sie auf eine kleine Frau mit Kopftuch und Putzeimer aufmerksam. „Wer sind sie?“ „Meine Name Fatma, Fatma Onur, ich putzen hier...
Peter Wellendorf-Renz, 58 Jahre, große stattliche Figur, schwarzes volles Haar, seines Zeichens Kriminalhauptkommissar a.D. Vor zwei Jahren starb seine geliebte Frau bei einem Autounfall auf der A8 bei Heimsheim. Ein ganzes Jahr benötigte er, um sich wieder zu fangen und sein Leben neu zu sortieren. Jetzt, wo alles wieder im Lot war, er die höchste Aufklärungsrate hatte, wurde er in den Vorruhestand geschickt. Nicht, weil er seiner Arbeit nicht mehr gerecht wurde, sondern vielmehr, weil ihn seine Arthrose in den Füßen regelrecht auffraß.
Mit seinem Nachfolger, Ingmar Keller – von Karlsruhe nach Pforzheim versetzt – steht er auf Kriegsfuß. Monsieur Keller, wie ihn Wellendorf-Renz zu nennen pflegt, kann es nicht ausstehen, wenn er seine alten Kollegen besuchen kommt. Mit Holger Kuhlmann hat er ein besonders herzliches Verhältnis, schließlich waren die beiden seit zehn Jahren Zusammenarbeit das „Dream Team“ der Wache. Keller schnauzt Kuhlmann oft an und lässt ihn die Drecksarbeit machen, so ist es nur verständlich, dass Kuhlmann sich oft bei Wellendorf-Renz auslässt. Natürlich wird bei dieser Gelegenheit auch über „Fälle“ diskutiert, wobei Wellendorf-Renz so zu manch einer Lösung beigetragen hat. Nicht auszudenken, wenn Keller davon Wind bekäme!
Monsieur Keller gab eindeutig zu verstehen, dass Wellendorf-Renz sich aus Ermittlungen raus zu halten hat. Einmal tobte er wie ein Wilder durch sein Büro, dass er nach Luft jabste und per Notarzt ins Städtische Klinikum gebracht werden musste. Seither ist es noch ruhiger in Wellendorf-Renz seinem Pensionärsleben geworden. Um seiner Langeweile Herr zu werden, holte er sich vor zwei Wochen einen vier- jährigen Mischlingshund aus dem Pforzheimer Tierheim. Das kleine Biest hatte mehr Temperament, als ihm lieb war. Musste er doch bei Wind und Wetter raus, ohne Rücksicht auf die schmerzhafte Arthrose!
Er taufte den Hund „Trollinger“, allein aus der Kriterie heraus, dass er gerne Lemberger trank. Lemberger-Trollinger: eine echt gute Kombination.
Nach dem morgendlichem „Gassi gehen“ gönnte sich Wellendorf-Renz ein ausgiebiges Frühstück, mit stundenlangen Tageszeitung studieren. Was die PZ nicht weiß, weiß der Pforzheimer Kurier und so hat er gleich beide, hier ansässigen Tageszeitungen im Abo.
Zurzeit verfolgte er aufmerksam den Oberbürgermeister – Wahlkampf zwischen Frau Nasenkiesel, der amtierenden OB und Herrn Dürr, dem Kandidaten. Ein „Chefsesselwechsel“ ist seiner Meinung nach dringend erforderlich. Zuviel geht in seinem geliebten Pforzheim schief.
Samstag 04:30 Uhr
Das Telefon klingelt mit dem Handy um die Wette, dazu bellt Trollinger in den höchsten Tönen. Wellendorf-Renz schält sich mühselig aus seinem Bett und torkelt ans Telefon. „Ja“. „Sag mal, hast du Schlaftabletten genommen? Seit zehn Minuten bimmel ich bei dir an“. „Normale Menschen schlafen um diese Uhrzeit, was ist los“?
„Ein Toter im Rathaus, ich schick dir eine Streife, die dich abholt“.
„Was ist mit Keller“? „Krank, Bein gebrochen - bis gleich“.
Wellendorf-Renz begab sich im Eiltempo ins Bad, schnell die Zähne putzen, eine Ladung Wasser ins Gesicht, da schien schon das Blaulicht durch die Jalousien. „Herr Ha-Hauptkommissar“, stotterte der Polizist. „Schon gut, fahren sie, aber nicht so schnell, mein Magen“.
Die Streife hielt direkt am Haupteingang des „Alten Rathauses“ auf dem umstrittenen Belag.
Wellendorf-Renz betrat das Gebäude. „Kuhlmann“, rief er. „Hier oben, komm eins höher“, kam die prompte Antwort. Trollinger rannte schon mal los, um Kuhlmann freudig zu begrüßen. „Musst du denn den Köter überall mit hin nehmen“, maulte dieser los.
„Erstens ist das kein Köter, sondern fast ein Polizeihund und zweitens kann ich gleich wieder gehen, wenn dir was nicht passt“, knurrte Wellendorf-Renz, schnaufend vom Treppensteigen, zurück. „Ja ja, schon gut“.
„Was ist hier eigentlich los? Was ist das alles für ein Kram?“
„Hier soll heute Vormittag eine Vernissage für einen Wohltätigkeitszweck eröffnet werden, darum die Wände, Tische und Stühle“, erklärte Kuhlmann. Wellendorf-Renz schaute sich um und ging ein Stück in Richtung Fenster zum Marktplatz, als er den männlichen Toten zusammengesunken auf einem Stuhl, den Kopf auf dem Tisch liegend, entdeckte. Er trat näher heran und sah in die weit aufgerissenen Augen. Auf dem Tisch stand eine geöffnete Flasche Rotwein. Die rechte Hand des Toten hielt ein umgekipptes Weinglas in der Hand, der Tisch und das Jackett waren besudelt mit Erbrochenem.
Wellendorf-Renz beugte sich hinunter um das Etikett zu lesen. „2006er Heilbronner Samtrot Kabinett“, las er laut vor, und weiter: „Hm, leckeres Tröpfchen - eigentlich. Aber sag mal, ist das nicht Dürr, der Ob-Kandidat?“
„Ja, ist er“, gab Kuhlmann knapp von sich. „Die Kollegen von der Gerichtsmedizin müssen jeden Moment auftauchen“.
„Was zum Henker wollte der um diese Uhrzeit hier?“, murmelte Wellendorf-Renz mehr zu sich selbst, als an Kuhlmann gerichtet.
Plötzlich bellte und knurrte Trollinger wie ein verrückter und rannte den angrenzenden Gang entlang. „Trollinger! Trollinger, hierher!“, schrie Wellendorf-Renz, allerdings ohne Erfolg.
Das Bellen wurde intensiver und aggressiver. Die Beamten sputeten hinterher, bis sie den faden Lichtschein einer Lampe wahr nahmen.
Trollinger knurrte inzwischen wie ein mächtiger Kampfhund.
Kuhlmann zog seine Waffe, warf Wellendorf-Renz einen Blick zu, und schlich an der Wand entlang, Wellendorf-Renz knapp dahinter.
„HILFE, nimmt doch endlich einer diesen Köter weg!“, schrie eine männliche Stimme aus dem Büro der Oberbürgermeisterin Christina Nasenkiesel.
Kuhlmann betrat als erster das Zimmer. Der Anblick ließ ihn glatt schmunzeln. Auf dem Bürostuhl stand wackelig Heinz-Werner Malke, seines Zeichens Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender und davor, oder besser darunter, der kläffende und knurrende Trollinger. „So nehmen sie doch endlich diesen Hund weg“, flehte Malke.
„Was machen sie hier?“, wollte Kuhlmann wissen. „Ich äh…“.
„Trollinger AUS, jetzt hierher“, zischte Wellendorf-Renz, diesmal mit Erfolg, aber nicht ohne breitem Grinsen im Gesicht.
„Also, was machen sie hier?“ „Ich – na ja“, stammelte Malke und kletterte dabei vom Bürostuhl. „Ich wollte der Oberbürgermeisterin eine Freude machen und ihr Blumen auf den Schreibtisch stellen.“
„Was? Und das ausgerechnet morgens, um mittlerweile 05:20 Uhr?“, mischte sich Wellendorf-Renz ein.
„Sie sollte nicht wissen von wem die Blumen sind“, sagte Malke sehr geknickt. „Und wo bitte ist dieser ominöse Blumenstrauß?“. Malke deutete auf die Ecke hinter der Tür.“
Ich bin so vor dem Hund erschrocken, dass ich ihn fallen ließ, um mich auf den Stuhl zu retten“. Kuhlmann lachte lauthals los.
„Entschuldigung, das soll ich glauben?“. „Welchen Eingang haben sie denn benutzt, Herr Malke?“, fragte Kuhlmann weiter.
„Den hinten vom Parkplatz, mein Auto steht dort, aber warum fragen sie – und warum sind sie hier?“ Unbeirrt fragt Kuhlmann weiter: „Wie lange sind sie hier?“ „Vielleicht fünfzehn Minuten.“ „Und sie haben nichts gehört, oder jemanden gesehen?“ „Äh – ich – nein – jedenfalls nicht so lange, bis der Hund angeflitzt kam“.
„Herr Kommissar, die Gerichtsmedizin ist da“, schallte es durch den Flur. Malke riss die Augen weit auf: „Gerichtsmedizin? Meine Herren, kann mir jemand sagen, was hier los ist?“ „Später, stellen sie die Blumen in die Vase, und kommen sie mit“, gab Kuhlmann knapp zurück.
„Herr Kommissar!“. „Ja, bin gleich da“. Hektisch pfriemelte Malke den Strauß in die Vase, löschte das Licht und zog die Türe hinter sich zu.
Im Schnellschritt trottete er den beiden Beamten hinterher, ihm war schlecht vor Aufregung – war kurz davor sich zu übergeben. „Geht’s ihnen nicht gut?“, fragte Wellendorf-Renz mit forschendem Blick. „Geht schon“, log er. Im Treppenhaus angekommen, wuselten die Spurensicherung und die Gerichtsmedizin schon fleißig umher. „Moin die Herren, kann man schon was sagen?“
„Keine äußerlichen Einwirkungen zu sehen. Die weit aufgerissenen Augen und das Erbrochene deuten auf Ersticken hin. Todeszeit – nicht länger als zwei Stunden, die Leichenstarre ist noch nicht eingetreten“, kam die sofortige Antwort von Gerichtsmediziner Hugo Wert.
„Ich muss aufs Klo“, stammelte Malke. Kreidebleich war er inzwischen. Kuhlmann deutete einem Beamten an, ihn zu begleiten.
„Wert, es ist scheiß eilig. Bitte machen sie sich gleich an die Arbeit“, rief Kuhlmann dem Gerichtsmediziner zu. „Und wer zahlt mir die Überstunden, hä? Sie wissen doch, dass man uns diese gestrichen hat!“, kam zurück.
„Okay, okay. Ein Riesenschnitzel in „D´alt Funsel“ geht auf mich“.
Hugo Wert grinste breit: „Überredet!“.
„Wie habt ihr von dem Toten erfahren?“, wendete Wellendorf-Renz sich an Kuhlmann.
„Ich habe angerufen“, kam es kleinlaut aus einer Ecke. Erst jetzt wurden sie auf eine kleine Frau mit Kopftuch und Putzeimer aufmerksam. „Wer sind sie?“ „Meine Name Fatma, Fatma Onur, ich putzen hier...
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